HFW 1.07 · BAND 1 · UNTERNEHMENSFÜHRUNG
Rechtsformen
Jedes Unternehmen benötigt eine rechtliche Struktur. Die Wahl der Rechtsform beeinflusst unter anderem Haftung, Kapitalbedarf, Leitung, Finanzierungsmöglichkeiten und organisatorische Anforderungen.
Auf einen Blick
Das lernst Du in dieser Lektion
Du erhältst einen Überblick über wichtige Rechtsformen und lernst, anhand welcher Kriterien eine geeignete Rechtsform für ein Unternehmen ausgewählt werden kann.
Rechtsformen einordnen
Du kannst wichtige Rechtsformen den grundlegenden Gruppen zuordnen.
Unterschiede erkennen
Du verstehst, dass Rechtsformen unterschiedliche wirtschaftliche und organisatorische Folgen haben.
Kriterien anwenden
Du kennst wichtige Entscheidungsfaktoren wie Haftung, Kapital, Leitung und Finanzierung.
Situationen beurteilen
Du kannst begründen, warum nicht für jedes Unternehmen dieselbe Rechtsform geeignet ist.
Grundbegriff
Was bedeutet Rechtsform?
Die Rechtsform bildet den rechtlichen Rahmen eines Unternehmens.
Die Rechtsform legt fest, in welcher rechtlichen Struktur ein Unternehmen geführt wird und beeinflusst damit wesentliche Fragen der Haftung, Finanzierung, Leitung und Organisation.
Besonders wichtig sind
Orientierung
Drei wichtige Gruppen im Überblick
Für das weitere Lernen hilft zunächst eine grobe Einordnung. Die einzelnen Rechtsformen betrachten wir in den folgenden Lektionen noch deutlich genauer.
Einzelunternehmen
Eine einzelne Person führt das Unternehmen als Unternehmer.
Eine PersonPersonengesellschaften
Mehrere Personen schließen sich zur gemeinsamen unternehmerischen Tätigkeit zusammen.
Personen im MittelpunktKapitalgesellschaften
Das Unternehmen erhält eine stärker verselbstständigte rechtliche Struktur mit eigenem Gesellschaftskapital.
Gesellschaft im MittelpunktTypische Bezeichnungen
Diese Rechtsformen solltest Du kennen
Für die Handelsfachwirt-Prüfung solltest Du die wichtigsten Bezeichnungen sicher erkennen und den grundlegenden Gruppen zuordnen können.
Einzelunternehmen
Unternehmen einer einzelnen natürlichen Person.
EinzelunternehmerGesellschaft bürgerlichen Rechts
Eine wichtige Form der Personengesellschaft.
PersonengesellschaftOffene Handelsgesellschaft
Eine weitere bedeutende Personengesellschaft.
PersonengesellschaftKommanditgesellschaft
Ebenfalls eine wichtige Form der Personengesellschaft.
PersonengesellschaftGesellschaft mit beschränkter Haftung
Eine der bekanntesten Kapitalgesellschaften.
KapitalgesellschaftAktiengesellschaft
Eine weitere bedeutende Form der Kapitalgesellschaft.
KapitalgesellschaftEbenfalls wichtig
UG
Eine weitere Bezeichnung, die Dir häufig begegnen wird.
UG steht für Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt).
Sie gehört in den Bereich der Kapitalgesellschaften und wird in der Praxis häufig im Zusammenhang mit Unternehmensgründungen genannt.
Rechtsformwahl
Die Rechtsform ist eine unternehmerische Entscheidung
Die Frage lautet nicht: „Welche Rechtsform ist die beste?“ Entscheidend ist vielmehr, welche Rechtsform zu den Zielen und Rahmenbedingungen des konkreten Unternehmens passt.
Haftung
Welche wirtschaftlichen Risiken sollen beziehungsweise müssen die Beteiligten tragen?
RisikoKapitalbedarf
Wie viel Kapital wird benötigt und welche Anforderungen stellt die gewählte Struktur?
KapitalLeitung
Wer soll Entscheidungen treffen und das Unternehmen führen?
FührungFinanzierung
Welche Möglichkeiten zur Beschaffung von Eigen- und Fremdkapital werden benötigt?
FinanzierungAnzahl der Beteiligten
Soll eine Person allein oder sollen mehrere Personen gemeinsam unternehmerisch tätig sein?
BeteiligungAufwand & Anforderungen
Welcher organisatorische und formale Aufwand ist für das Unternehmen angemessen?
OrganisationEntscheidungslogik
So nähert man sich der Rechtsformwahl
Die Rechtsform sollte aus der konkreten betrieblichen Situation heraus ausgewählt werden.
01
SITUATION
Unternehmen betrachten
02
HAFTUNG
Risiko beurteilen
03
KAPITAL
Bedarf bestimmen
04
LEITUNG
Verantwortung festlegen
05
FINANZIERUNG
Möglichkeiten prüfen
06
RECHTSFORM
begründet auswählen
Erste Weichenstellung
Allein gründen oder gemeinsam?
Eine Person
Eine einzelne Person möchte das Unternehmen führen und unternehmerische Entscheidungen selbst treffen.
- klare Entscheidungsstruktur
- eine verantwortliche Person
- keine Abstimmung mit Mitgesellschaftern
Mehrere Personen
Mehrere Beteiligte möchten gemeinsam Kapital, Wissen oder Verantwortung einbringen.
- Kompetenzen können kombiniert werden
- Kapital kann gemeinsam aufgebracht werden
- Entscheidungen müssen abgestimmt werden
Grundverständnis
Personen- und Kapitalgesellschaften unterschiedlich denken
Personengesellschaft
Bei Personengesellschaften stehen die beteiligten Personen und ihre Zusammenarbeit besonders im Mittelpunkt.
Kapitalgesellschaft
Kapitalgesellschaften besitzen eine stärker verselbstständigte Gesellschaftsstruktur.
Praxis-Check
Welche Rechtsform für unser Möbelhaus?
Zwei Unternehmer möchten gemeinsam ein größeres Möbelhaus eröffnen. Für Verkaufsfläche, Warenbestand, Lager, Fahrzeuge und Einrichtung wird erhebliches Kapital benötigt.
Wie wichtig ist die Haftung?
Das geplante Unternehmen benötigt hohe Investitionen und geht umfangreiche wirtschaftliche Verpflichtungen ein.
Wie viel Kapital wird benötigt?
Die gewählte Unternehmensstruktur muss zur Finanzierung eines größeren Handelsbetriebes passen.
Wer soll entscheiden?
Die beiden Unternehmer müssen klären, wie Leitung und Verantwortung verteilt werden.
Wie soll das Unternehmen wachsen?
Auch zukünftige Finanzierungsmöglichkeiten und mögliche weitere Beteiligte können die Rechtsformwahl beeinflussen.
Die Rechtsform wird deshalb nicht nach ihrem Namen ausgewählt. Sie muss zum Geschäftsmodell, zum Risiko und zu den Zukunftsplänen des Möbelhauses passen.
Prüfungsfalle
Es gibt nicht „die beste“ Rechtsform
Falsches Denken
„Eine bestimmte Rechtsform ist grundsätzlich besser als alle anderen.“
Betriebswirtschaftliches Denken
„Welche Rechtsform erfüllt die Anforderungen dieses konkreten Unternehmens am besten?“
Merke: Rechtsformwahl ist immer eine Abwägungsentscheidung. Vorteile in einem Bereich können mit Nachteilen in einem anderen Bereich verbunden sein.
IHK-Denken
So begründest Du eine Rechtsformwahl
Besonders bei Prüfungsaufgaben solltest Du nicht einfach eine Rechtsform nennen. Die Auswahl muss aus der betrieblichen Situation heraus begründet werden.
Welche Größe, Branche und wirtschaftliche Situation liegt vor?
Wie viele Personen beziehungsweise Beteiligte sollen das Unternehmen tragen?
Welche wirtschaftlichen Risiken entstehen?
Wie hoch ist der Kapitalbedarf und welche Finanzierungsmöglichkeiten werden benötigt?
Wer soll führen und wie sollen Entscheidungen getroffen werden?
Welche Rechtsform passt insgesamt am besten zu den Anforderungen?
Merke
Die passende Rechtsform ergibt sich aus den Anforderungen des Unternehmens – insbesondere aus Haftung, Kapitalbedarf, Leitung, Finanzierung und den beteiligten Personen.
Schnellwiederholung
HFW 1.07 in 20 Sekunden
Rechtsform
beschreibt den rechtlichen Rahmen, in dem ein Unternehmen geführt wird.
Grundgruppen
Wichtig sind insbesondere Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften.
Beispiele
Zu wichtigen Rechtsformen gehören unter anderem GbR, OHG, KG, GmbH, UG und AG.
Entscheidungskriterien
Besonders wichtig sind Haftung, Kapitalbedarf, Leitung, Finanzierungsmöglichkeiten und die Zahl beziehungsweise Struktur der Beteiligten.
Grundregel
Unternehmen analysieren → Kriterien prüfen → Alternativen vergleichen → Rechtsform begründet wählen.
Selbsttest
Sitzt HFW 1.07?
Beantworte die Fragen zunächst selbst und öffne anschließend die Musterlösung.
1. Welche grundlegenden Gruppen von Rechtsformen solltest Du unterscheiden können?
Im grundlegenden Überblick sind insbesondere Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften zu unterscheiden.
2. Nenne drei Beispiele für Personengesellschaften.
Beispiele sind die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), die offene Handelsgesellschaft (OHG) und die Kommanditgesellschaft (KG).
3. Nenne drei Beispiele aus dem Bereich der Kapitalgesellschaften.
Wichtige Beispiele sind GmbH, Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) und Aktiengesellschaft.
4. Nenne vier wichtige Kriterien bei der Wahl einer Rechtsform.
Besonders wichtig sind beispielsweise Haftung, Kapitalbedarf, Leitung und Finanzierungsmöglichkeiten. Auch die Zahl der beteiligten Personen sowie organisatorische Anforderungen können relevant sein.
5. Warum gibt es nicht eine Rechtsform, die für jedes Unternehmen optimal ist?
Unternehmen unterscheiden sich hinsichtlich Größe, Kapitalbedarf, Risiko, Finanzierung, Beteiligten und Führungsstruktur. Deshalb muss die Rechtsform zur jeweiligen betrieblichen Situation passen.
6. Zwei Personen möchten gemeinsam ein kapitalintensives Möbelhaus gründen. Wie solltest Du bei der Rechtsformwahl vorgehen?
Zunächst sollte die konkrete Situation analysiert werden. Danach sind insbesondere Haftungsrisiko, Kapitalbedarf, Finanzierung, gewünschte Leitungsstruktur und die Zusammenarbeit der Beteiligten zu prüfen. Erst anschließend sollte eine geeignete Rechtsform ausgewählt und mit diesen Kriterien begründet werden.
