HFW 1.04 · BAND 1 · UNTERNEHMENSFÜHRUNG
Existenzgründung
Aus einer Geschäftsidee wird erst durch systematische Planung ein tragfähiges Unternehmen. Eine Existenzgründung verlangt deshalb Entscheidungen über Markt, Finanzierung, Rechtsform, Organisation und die konkrete Umsetzung.
Auf einen Blick
Das lernst Du in dieser Lektion
Du lernst die wichtigsten Schritte einer Existenzgründung kennen und kannst erklären, welche Entscheidungen vor der Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit getroffen werden müssen.
Gründung vorbereiten
Du kennst die grundlegenden Schritte von der Idee bis zur Aufnahme der Geschäftstätigkeit.
Markt prüfen
Du verstehst, weshalb Zielgruppe, Nachfrage und Wettbewerb vor einer Gründung untersucht werden müssen.
Finanzierung planen
Du kannst die Bedeutung von Kapitalbedarf, Finanzierung und Liquiditätsplanung einordnen.
Umsetzung organisieren
Du erkennst, welche organisatorischen und formalen Entscheidungen zum Unternehmensstart gehören.
Definition
Was bedeutet Existenzgründung?
Der Übergang von einer Geschäftsidee zur selbstständigen wirtschaftlichen Tätigkeit.
Unter Existenzgründung versteht man den Aufbau beziehungsweise die Aufnahme einer selbstständigen wirtschaftlichen Tätigkeit mit dem Ziel, dauerhaft am Markt tätig zu sein.
Zentrale Gründungsbereiche
Die Gründungsbasis
Sechs Bausteine einer Existenzgründung
Eine Existenzgründung ist kein einzelner Schritt, sondern ein zusammenhängender Planungs- und Entscheidungsprozess.
Geschäftsidee
Welches Kundenproblem soll gelöst und welches Produkt oder welche Dienstleistung angeboten werden?
IdeeMarktanalyse
Gibt es ausreichend Nachfrage und wie stark ist der Wettbewerb im geplanten Markt?
MarktGeschäftsmodell
Wie sollen Kunden erreicht, Leistungen angeboten und langfristig Einnahmen erzielt werden?
ModellFinanzierung
Wie hoch ist der Kapitalbedarf und aus welchen Quellen soll dieser finanziert werden?
KapitalRechtsform & Organisation
Welche rechtliche und organisatorische Struktur passt zum geplanten Unternehmen?
StrukturUmsetzung
Welche konkreten Maßnahmen müssen vor und unmittelbar nach dem Unternehmensstart erfolgen?
StartDer Gründungsprozess
Von der Idee zum Unternehmen
Die einzelnen Schritte greifen ineinander. Erkenntnisse aus späteren Prüfungen können dazu führen, dass frühere Entscheidungen noch einmal angepasst werden.
01
IDEE
Geschäftsidee entwickeln
02
MARKT
Nachfrage und Wettbewerb prüfen
03
PLANUNG
Geschäftsmodell konkretisieren
04
FINANZEN
Kapitalbedarf sichern
05
ORGANISATION
Strukturen schaffen
06
START
Geschäft aufnehmen
Marktprüfung
Eine gute Idee braucht einen Markt
Für den wirtschaftlichen Erfolg reicht es nicht, dass der Gründer selbst von seiner Idee überzeugt ist. Entscheidend ist, ob genügend Kunden bereit sind, die angebotene Leistung tatsächlich zu kaufen.
Zielgruppe
Welche Kunden sollen mit dem Angebot konkret angesprochen werden?
Bedarf
Welches Bedürfnis oder Problem soll das Angebot erfüllen?
Wettbewerb
Welche anderen Unternehmen bieten bereits vergleichbare Leistungen an?
Positionierung
Warum sollen Kunden gerade dieses Unternehmen auswählen?
Finanzierung
Ohne Kapital kein Unternehmensstart
Bei der Existenzgründung muss nicht nur die Anschaffung notwendiger Betriebsmittel finanziert werden. Auch die Zeit bis zu ausreichenden Umsätzen muss finanziell überbrückt werden können.
Investitionen
Einrichtung, Technik, Fahrzeuge oder andere langfristig benötigte Vermögensgegenstände.
Warenbestand
Handelsunternehmen benötigen häufig bereits vor dem ersten Verkauf einen Warenbestand.
Anlaufkosten
Miete, Personal, Marketing und laufende Kosten entstehen häufig schon vor ausreichenden Umsätzen.
Liquiditätsreserve
Ein finanzieller Puffer kann helfen, unerwartete Zahlungen oder Umsatzschwankungen zu überbrücken.
Realitätscheck
Planung ersetzt keine Prüfung des Marktes
Planung
- Umsatzprognosen erstellen
- Kosten kalkulieren
- Kapitalbedarf bestimmen
- Zielgruppe definieren
- Marketingmaßnahmen planen
Realität
- Kunden entscheiden tatsächlich
- Wettbewerber reagieren
- Kosten können sich verändern
- Umsätze können schwanken
- Annahmen können falsch sein
Gute Gründungsplanung arbeitet deshalb nicht mit Wunschvorstellungen, sondern mit nachvollziehbaren und möglichst realistischen Annahmen.
Praxis-Check
Die Gründung unseres Möbelhauses
Eine Gründerin möchte ein Möbelhaus eröffnen, das sich auf hochwertige Büro-, Wohn- und Homeoffice-Möbel konzentriert und stationären Handel mit einem Online-Shop verbindet.
Gibt es genügend Kunden?
Zielgruppen, Kaufkraft, Einzugsgebiet und Konkurrenz müssen untersucht werden.
Passt die Verkaufsfläche?
Erreichbarkeit, Mietkosten, Größe und Kundenfrequenz beeinflussen den späteren Erfolg.
Wie viel Geld wird benötigt?
Warenbestand, Einrichtung, Miete, Personal, Technik und Marketing müssen finanziert werden.
Wie wird der Betrieb aufgebaut?
Lieferanten, Personal, Lager, Verkauf, Online-Shop und betriebliche Abläufe müssen organisiert werden.
Die eigentliche Gründung beginnt deshalb lange vor der Eröffnung des Möbelhauses.
Prüfungsfalle
Geschäftsidee ≠ Existenzgründung
Geschäftsidee
Beschreibt zunächst, welche Leistung beziehungsweise welches Geschäftsmodell grundsätzlich angeboten werden soll.
Existenzgründung
Umfasst die konkrete wirtschaftliche, organisatorische und finanzielle Umsetzung dieser Idee.
Merke: Erst Planung, Finanzierung und Umsetzung machen aus einer Idee ein tatsächlich tätiges Unternehmen.
IHK-Denken
So prüfst Du ein Gründungsvorhaben
Bei einer Situationsaufgabe solltest Du ein Gründungsvorhaben nicht nur beschreiben, sondern strukturiert auf seine wirtschaftliche Tragfähigkeit untersuchen.
Welchen Kundennutzen bietet das geplante Unternehmen?
Gibt es genügend Nachfrage und wie stark ist der Wettbewerb?
Welche Investitionen und laufenden Mittel werden benötigt?
Wie soll der Kapitalbedarf gedeckt werden?
Welche Strukturen, Prozesse und Ressourcen werden für den Start benötigt?
Erscheint die Gründung unter den gegebenen Bedingungen wirtschaftlich realistisch?
Merke
Existenzgründung bedeutet, eine Geschäftsidee systematisch auf Markt, Finanzierung und Umsetzbarkeit zu prüfen und daraus ein tragfähiges Unternehmen aufzubauen.
Schnellwiederholung
HFW 1.04 in 20 Sekunden
Existenzgründung
bedeutet die Aufnahme beziehungsweise den Aufbau einer selbstständigen wirtschaftlichen Tätigkeit.
Geschäftsidee
bildet den Ausgangspunkt, muss aber anschließend auf wirtschaftliche Umsetzbarkeit geprüft werden.
Markt
Zielgruppe, Nachfrage, Wettbewerb und Positionierung müssen untersucht werden.
Finanzierung
Kapitalbedarf, Finanzierungsquellen und Liquiditätsreserve müssen vor dem Start geplant werden.
Grundprozess
Idee → Markt → Planung → Finanzierung → Organisation → Unternehmensstart.
Selbsttest
Sitzt HFW 1.04?
Beantworte die Fragen zunächst selbst und öffne anschließend die Musterlösung.
1. Was versteht man unter einer Existenzgründung?
Unter Existenzgründung versteht man den Aufbau beziehungsweise die Aufnahme einer selbstständigen wirtschaftlichen Tätigkeit mit dem Ziel, dauerhaft am Markt tätig zu sein.
2. Warum sollte der Markt vor einer Gründung untersucht werden?
Dadurch kann geprüft werden, ob ausreichend Nachfrage vorhanden ist, welche Zielgruppen angesprochen werden können und wie stark der Wettbewerb ist.
3. Welche Bereiche können Kapitalbedarf bei einer Gründung verursachen?
Beispielsweise Investitionen, Warenbestände, Miete, Personal, Marketing, Technik und laufende Kosten während der Anlaufphase.
4. Warum ist eine Liquiditätsreserve bei einer Existenzgründung sinnvoll?
Sie kann helfen, unerwartete Auszahlungen, Umsatzschwankungen oder eine längere Anlaufphase finanziell zu überbrücken.
5. Warum ist eine Geschäftsidee allein noch keine Existenzgründung?
Eine Geschäftsidee beschreibt zunächst nur das geplante Angebot beziehungsweise Geschäftsmodell. Erst durch Marktprüfung, Finanzierung, Organisation und konkrete Umsetzung entsteht daraus ein Unternehmen.
